Eichung vs. Kalibrierung

Um den Unterschied zwischen Eichung und Kalibrierung zu klären müssen zunächst beide Begrifflichkeiten definiert werden. Entscheidend ist, dass es sich bei der Eichung anders als bei der Kalibrierung, um einen hoheitlichen Akt handelt. Somit bleibt die Eichung allein staatlichen Einrichtungen, in der Regel den Eichämtern, vorbehalten. Die sogenannte Herstellerersteichung oder auch Ersteichung durch den Hersteller wurde mit der Richtlinie 2014/31/EU durch die Konformitätsbewertung abgelöst. Damit ist jede Form der Eichung ausschließlich in staatlicher Hand. Trotzdem bleiben viele Hersteller bei dieser Bezeichnung, da sie dem Interessenten bekannt ist. Letztlich ist die Konformitätsbewertung vom Umfang identisch mit der Eichung und konformitätsbewertete Waagen nach Richtlinie 2014/31/EU dürfen ebenso wie geeichte Waagen im eichpflichtigen Verkehr verwendet werden.

Wenn von der Kalibrierung gesprochen wird, handelt es sich um eine Darstellung der Abweichung. Oftmals wird der Begriff mit der Justage verwechselt. Anders als bei der Justage wird bei der Kalibrierung aber keine Änderung an der Waage vorgenommen. Die Waage wird entsprechend der Kalibrieranweisung in verschiedener Weise be- und entlastet und die festgestellte Abweichung wird dokumentiert.

Während bei einer Eichung Fehlergrenzen über die weitere Verwendung der Waage entscheiden, spielt der Fehler bei der Kalibrierung grundsätzlich erstmal keine Rolle. Sofern die Waage nach DAkkS kalibriert wird sind hier selbstverständlich auch Fehlergrenzen einzuhalten. Bei einer Werkskalibrierung bleibt es dem Verwender überlassen ob er mit dem festgestellten Fehler weiterarbeiten kann oder nicht.

Wann eine Waage geeicht sein muss ergibt sich aus der Richtlinie 2014/31/EU, dem Mess- und Eichgesetz und der Mess- und Eichverordnung. Darüber hinaus können noch weitere Richtlinien, Gesetze und Verordnungen greifen, z.B. wenn es sich um eine Waage zur Verpackung von Lebensmitteln handelt. Hier kommt zusätzlich auch noch die Fertigverpackungsverordnung zum Tragen. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass eine Waage immer dann geeicht sein muss wenn mit ihr ein Gewicht ermittelt wird über den eine Abrechnung erfolgt. Es gibt aber noch weitere Anwendung bei denen zwingend eine geeichte Waage verwandt werden muss, wie z.B. Personenwaagen in Krankenhäusern. Die Eichfristen geben eine umfassende Auskunft über die zwingende Verwendung einer geeichten Waage.

Wird eine Waage ausschließlich für interne Zwecke eingesetzt, wie z.B. zur Qualitätssicherung oder Kommissionierung, so kann auf eine Eichung verzichtet werden. Dies bietet sich insbesondere dann an, wenn die Waage sehr hochauflösend sein muss. Werden besonders kleine und leichte Teile über eine Stückzählung kommissioniert macht es keinen das Zählsystem zu eichen, zumal dies ohnehin nicht möglich ist. Zwar kann die Waage, also die Gewichtsermittlung, geeicht werden, nicht aber die Stückzählung. Waagen die in solchen Bereichen eingesetzt werden sollten kalibriert sein, damit der Verwender die Toleranz seiner Waagen kennt und entsprechend reagieren kann.

Alle Qualitätssicherungssysteme schreiben geprüfte Messmittel vor. In der DIN EN 9001:2015 wird auch eine regelmäßige Prüfung der Messmittel gefordert. Es bleibt aber dem Verwender überlassen in welchem Umfang und Intervallen geprüft wird. Eine durchaus sinnvolle Forderung, da der Verwender am besten Einschätzen kann welchen Stellenwert die Messung mit der Waage für die Qualität seiner Produkte hat.

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass eine geeichte Waage immer dann eingesetzt werden muss wenn es der Gesetzgeber fordert und eine kalibrierte Waage im Rahmen der Qualitätssicherung gefordert wird.

Autor_Mario_Schmidtke

Autor
Mario Schmidtke

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