Eichung / Kalibrierung

Eichung / Kalibrierung / Justage

Drei Begriffe, die oft falsch verwendet werden. Eigentlich ist es ganz einfach, aber das sagt sich als Profi leicht. Hat man nicht täglich damit zu tun, erschließt sich nicht jedem sofort was die Fachbegriffe bedeuten. Ich erkläre es einfach und für jeden verständlich, so umfangreich wie nötig und so kurz gefasst wie möglich.

Eichung

Die Eichung ist ein hoheitlicher Akt und damit den entsprechenden Behörden, den Eichämtern vorbehalten. Analog zur Eichung gibt es noch die Konformitätsbewertung durch den Hersteller. Geregelt wird letztere in der Richtlinie 2014/34/EU. Einfach ausgedrückt ist die Konformitätsbewertung mit der Eichung gleichzusetzen, darf aber ausschließlich für erstmals in Verkehr zu bringende Waagen angewendet werden.

Das ist auch die Regel. Eine neue Waage wird nicht geeicht, sondern konformitätsbewertet ausgeliefert. Die eichrechtlichen Kennzeichen werden durch den Hersteller aufgebracht. Damit ist die Waage wie eine geeichte Waage zu behandeln und darf im eichpflichtigen Verkehr verwendet werden. Ist die Eichfrist abgelaufen, wird eine Eichung durch das Eichamt vorgenommen.

Da ist dann auch schon ein weiterer entscheidender Begriff – die Eichfrist. Für nichtselbsttätige Waagen ist die Eichung auf 2 Jahre befristet. Nachzulesen in der Mess- und Eichverordnung. Folgende Tabelle zeigt Ausnahmen auf:

Messgeräteart

Eichgültigkeit

NSW mit einer Höchstlast von 3.000 kg oder mehr. Ausnahme Baustoffwaagen

3 Jahre

Nichtselbsteinspielende Fein – und Präzisionswaagen

4 Jahre

Nichtselbsteinspielende Handelswaagen in Apotheken

4 Jahre

Personenwaagen einschließlich Säuglingswaagen. Ausnahme Bettenwaagen

4 Jahre

Personenwaagen, soweit nicht im Krankenhaus aufgestellt

Unbefristet

Viehwaagen in landwirtschaftlichen Betrieben (Viehhandlungen, Metzgereien = 2 Jahre)

4 Jahre

Selbstständige Waagen mit Etikettendruckwerk, Fertigverpackungen ungleiche Mengen

1 Jahr

Selbsttätige Kontrollwaagen

1 Jahr

Selbsttätige Gleiswaagen, Höchstlast 3.000 kg oder mehr

3 Jahre

Getreideprober

4 Jahre

Sonstige Waagen

2 Jahre

 

Wann muss eine Waage geeicht sein? Grundsätzlich muss eine Waage immer dann geeicht sein, wenn über diese Gewichte ermittelt werden, wonach ein Preis berechnet wird. Darüber hinaus gibt es noch weitere Anwendungen bei denen eine geeichte Waage zwingend erforderlich ist. Das kann der Tabelle ebenfalls entnommen werden.

Typenschild-Eichung-2021010304

Die Abbildung zeigt ein Typenschild mit den eichrechtlichen Kennzeichen:

1.     EU-Baumusterprüfbescheingung (0200-NAWI-07985

2.     Name des Herstellers (OMEA Waagen GmbH)

3.     Genauigkeitsklasse (III in einem Oval)

4.     Höchstlast (Max 1500 kg)

5.     Mindestlast (Min 10 kg)

6.     Eichwert (e= 0,5 kg)

7.     Seriennummer (SN: 2021010304)

8.     CE-Kennzeichnung

9.     Metrologie Kennzeichnung (M21)

10.  Benannte Stelle (0111)

11.  Zustellfähige Anschrift des Herstellers

Weitere Daten können je nach Waage erforderlich sein und zusätzliche Daten sind zulässig.

Kalibrierung

Eine Kalibrierung sollte in regelmäßigen Abständen bei jeder Waage durchgeführt werden. Sie darf aber in keinem Fall mit der Eichung oder der Justage verwechselt werden. Bei einer Kalibrierung wird der Istzustand der Waage aufgenommen und protokolliert, aber keine Änderung vorgenommen.

Werkskalibrierung / ISO Kalibrierung

Die einfachste Form der Kalibrierung. Bei der Werkskalibrierung oder auch ISO-Kalibrierung handelt es sich um eine Prüfung der Waage, bei der der Prüfende keiner externen Aufsicht unterliegt. Es gibt auch keine festgelegten Prüfschema. Art und Umfang der Prüfung können daher stark voneinander abweichen.

Vor Beauftragung sollte der Umfang der Prüfung und die Ausstellung des Protokolls geprüft werden. Einige Hersteller orientieren sich an der DIN 45501, die auch für die Eichung gilt, andere an der DIN 17025, bindend für DAkkS Prüfungen und wieder andere legen eigene Prüfabläufe fest. Das birgt die Gefahr einer Prüfung, die wenig über den Zustand und der Genauigkeit der Waage aussagt.

Ich empfehle im Vorfeld einen Musterprüfschein anzufordern. Aus diesem sollte der Prüfablauf hervorgehen. Dieser sollte mindestens die Prüfung bei maximaler Last, die Eckenlastprüfung und die Hysterese Prüfung enthalten. OMEGA Waagen GmbH hat einen festen Prüfablauf, der mit einer DAkkS Prüfung vergleichbar ist:

            Prüfung volle Normallast

            Prüfung halbe Normallast

            Eckenlastprüfung mit 1/3 der Maximallast

            Hysterese Prüfung an 6 Prüfpunkten

Mit den ermittelten Daten lassen sich Rückschlüsse auf die Genauigkeit der Waage führen. Darüber hinaus wird bei OMEGA Waagen GmbH auch die Anwendung in die Prüfung einbezogen. Abschließend sind Empfehlungen aufgeführt.

DAkkS Kalibrierung

Ein fester Prüfablauf steht bei der DAkkS Kalibrierung im Vordergrund. Sie ist weltweit anerkannt und in einigen Industriebereichen kommen Sie nicht um einen solchen Prüfschein herum. Sie ist teurer als eine Eichung oder ISO Kalibrierung, meist aber auch deutlich informativer.

Soweit Ihre Waage nicht der Eichpflicht unterliegt und Kunden keine DAkkS Kalibrierung fordern, bleibt es Ihre Entscheidung. Bei einer Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 wird eine regelmäßige Prüfung verlangt, der Prüfintervall und die Art der Prüfung bleibt aber Ihnen überlassen. Entscheidend ist die Relevanz der Waage für Ihren Produktionsprozess.

Justage

Die Justage erfolgt zumeist im Werk. Es handelt sich hierbei um die Ersteinstellung der Waage. Vereinfacht ausgedrückt wird die Waage mit einem bestimmten Gewicht belastet und dieses wird eingegeben und gespeichert. Es können auch mehr als ein Justagepunkt ausgewählt werden, je nach Auswerteelektronik. Dabei wird dann die lineare Justage vorgenommen.

Die lineare Justage ist deutlich genauer als die Justage mit nur einem Normal. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie eine Strecke von 3.000 m zurücklegen sollen. Genannt wird Ihnen lediglich der Startpunkt und der Zielpunkt. Es ist praktisch unmöglich den direkten Weg zu gehen. Das ist vergleichbar mit der Justage mit nur einem Normal. Der gleiche Start- und Zielpunkt, aber noch weitere 7 Orientierungspunkte werden Ihnen vorgegeben und Sie werden die gleiche Strecke deutlich präziser ablaufen. Das ist die lineare Justage.

Eine Justage kann auch vor Ort durchgeführt werden. Wird bei einer Kalibrierung eine hohe Abweichung festgestellt, so wird eine Justage durchgeführt und damit versucht, eine erfolgreiche Kalibrierung im Nachgang vornehmen zu können.

Fazit

Zunächst gilt es zu prüfen, ob Ihre Anwendung der Eichpflicht unterliegt. Hierbei hilft Ihnen die Tabelle. Sofern Sie die Waage für interne Zwecke verwenden, kommt eine Kalibrierung zum Tragen. Hierbei ist entscheidend, was Ihr Produktionsprozess und Ihre Kunden verlangen.

FAQ

Was ist eine Eichung?

Eine Eichung ist ein hoheitlicher Akt, der den Eichämtern vorbehalten ist.

Was ist eine Konformitätsbewertung?

Die Konformitätsbewertung wird durch den Hersteller durchgeführt und ist der Eichung gleichzusetzen.

Was ist eine Kalibrierung?

Eine Kalibrierung ist die Aufnahme und Protokollierung des Istzustandes ohne Eingriff in die Messfunktionen.

Was ist eine Justage?

Die Justage ist die Einstellung der Waage. Sie wird mit Normalen durchgeführt.

Was ist ein Normal?

Ein Normal ist ein geprüftes Gewichtstück, welches auf das Deutsche Normal zurückgeführt wurde. Das Deutsche Normal wird wiederrum auf das europäische zurückgeführt.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.